1) Was ist Ramadan genau (und warum hat er so viel Einfluss)?
Ramadan ist der neunte Monat des islamischen Mondkalenders. Weil dieser Kalender auf dem Mond basiert, verschiebt sich Ramadan jedes Jahr um etwa 10–11 Tage nach vorn im Vergleich zum westlichen (Sonnen-)Kalender. Der Monat dreht sich um Fasten, Selbstbeherrschung, Gebet, Wohltätigkeit und soziale Verbundenheit.
Der Kern in einem Satz
Tagsüber fasten (kein Essen/Trinken) und abends gemeinsam brechen — aber auch: bewusster leben, mehr Spiritualität und mehr Aufmerksamkeit für Familie und Gemeinschaft.
2) Wie wird der Beginn bestimmt? Die Mondsichel (Hilal) in Marokko
Der Beginn (und auch das Ende) des Ramadan hängt mit dem Sehen der neuen Mondsichel zusammen: der hilal. Am 29. Tag des Monats vor Ramadan (Sha’ban) wird nach Sonnenuntergang geschaut, ob die neue Sichel sichtbar ist. Wird die hilal beobachtet, beginnt Ramadan am nächsten Tag; wird sie nicht gesehen (z.B. wegen Bewölkung), wird der Monat auf 30 Tage ergänzt und Ramadan beginnt einen Tag später.
Dieses „29 oder 30 Tage“-Prinzip ist wichtig, denn es erklärt, warum Länder (und manchmal Gemeinschaften innerhalb eines Landes) um einen Tag abweichen können.
Wer entscheidet in Marokko?
In Marokko ist die Mondbeobachtung offiziell organisiert: religiöse Komitees im ganzen Land beobachten, und die Regierung kommuniziert anschließend den offiziellen Beginn über nationale Kanäle und Moscheen. Das geschieht unter Koordination des Ministeriums, das für religiöse Angelegenheiten zuständig ist. In den Nachrichten sieht man regelmäßig, dass diese Komitees „bereit sind, den Mond zu beobachten“.
Warum Marokko manchmal an einem anderen Tag beginnt als andere Länder
Da Marokko stark auf lokale/regionale Sichtung setzt, kann es vorkommen, dass ein anderes Land (mit anderen Sichtbedingungen oder anderen Kriterien) früher oder später beginnt. Das ist nicht „falsch“ bei einer Seite; es ist die Folge unterschiedlicher Methoden (Beobachtung vs. Berechnung) und unterschiedlicher Kriterien dafür, was als gültige Sichtung gilt.
3) Europa vs. Marokko: warum es manchmal Verwirrung gibt
In europäischen Ländern mit vielfältigen muslimischen Gemeinschaften werden manchmal mehrere Kalender genutzt: Einige Organisationen folgen der lokalen Sichtung, andere verwenden astronomische Berechnungen oder ein „global sighting“-Prinzip. Dadurch kann es sein, dass Kolleg:innen, Kund:innen oder Partner nicht alle denselben Starttag einhalten.
Praktischer Tipp für die Zusammenarbeit
- Frag nicht: „Welcher Tag ist denn nun wirklich richtig?“
- Frag lieber: „Welchen Tag verwendet eure Organisation/euer Unternehmen für Beginn und Eid?“
- Mit Puffer planen: Besonders rund um Beginn und Ende (Eid) kann ein Unterschied von 1 Tag Einfluss auf Besetzung, Lieferungen, Termine und Erreichbarkeit haben.
4) Der Tagesrhythmus während Ramadan in Marokko
Ramadan verändert das „Tempo“ des Tages. Tagsüber ist es ruhiger; Richtung Sonnenuntergang wird es lebhafter, weil sich alle auf das Fastenbrechen vorbereiten.
Suhoor: die Mahlzeit vor Sonnenaufgang
Suhoor (auch sehri genannt) ist die Mahlzeit, die vor dem Morgengebet und vor Beginn der Fastenzeit gegessen wird. Dieser Moment ist praktisch (Energie für den Tag), aber auch sozial: In vielen Familien klingelt der Wecker früh, und man isst zusammen oder hilft einander beim Start in den Tag.
Iftar / Ftour: das Fastenbrechen bei Sonnenuntergang
In Marokko hört man oft „ftour“ für die Abendmahlzeit. Traditionell beginnt man mit etwas Leichtem und isst danach ausführlicher.
Was steht oft auf dem Tisch (typisch marokkanisch)?
- Datteln (oft der erste Bissen)
- Harira (Suppe; bei vielen Familien ein Ramadan-Klassiker)
- Chebakia (Honig-Sesam-Gebäck, das besonders im Ramadan häufig ist)
- Baghrir und/oder Msamen (Pfannkuchen-/Fladenbrot-Varianten mit Honig und Butter)
- Briouats (gefüllte Dreiecke; herzhaft)
5) Arbeiten und Geschäfte während Ramadan: was du wirklich wissen musst
Wenn du mit marokkanischen Partnern zusammenarbeitest, ist Ramadan vor allem ein Monat der Anpassung und des Respekts. Nicht weil „alles stillsteht“, sondern weil Energie und Planung anders sind.
Timing: wann plant man am besten?
- Morgen: oft produktiver (relativ mehr Fokus).
- Nachmittag: Energie kann nachlassen; Meetings laufen manchmal langsamer.
- Später Nachmittag: Viele runden ab und bereiten ftour vor.
- Abend: Nach ftour kann wieder Energie da sein, das ist aber je nach Person/Unternehmen verschieden.
Etikette: kleine Dinge mit großer Wirkung
- Nicht zu nachdrücklich fragen, warum jemand fastet oder nicht. (Das kann persönlich sein.)
- Flexibel bei Deadlines und Antwortzeiten sein, besonders rund um den Sonnenuntergang.
- Wenn du in einem Meeting isst/trinkst: kurz abklären, ob das angenehm ist, oder eine neutrale Situation wählen.
- Grüße: „Ramadan Mubarak“ (gesegneter Ramadan) oder „Ramadan Kareem“ (großzügiger Ramadan) wird oft geschätzt.
6) Die letzten 10 Tage: oft besonders wichtig
In vielen Familien und Gemeinschaften nimmt die Intensität in den letzten 10 Tagen zu: mehr Gebet, mehr Spiritualität und praktisch: Man denkt auch schon an den Abschluss des Ramadan und die Vorbereitungen für Eid.
7) Wie endet Ramadan? Wieder mit dem Mond: Eid al-Fitr
Wie der Beginn hängt auch das Ende mit der Sichtung der neuen Mondsichel zusammen, die den Monat Shawwal einleitet. Wird die hilal bestätigt, ist der nächste Tag Eid al-Fitr: das Fest, das Ramadan abschließt.
Was passiert an Eid (grob)?
- Früh aufstehen und (wenn möglich) ein Eid-Gebet.
- Familienbesuche, Glückwünsche, Essen, neue Kleidung (oft) und Geschenke für Kinder.
- Viele Menschen sind (teilweise) frei; die Erreichbarkeit kann eingeschränkt sein.
Geschäftliche Auswirkungen rund um Eid
- Mit geringerer Verfügbarkeit in den Tagen um Eid rechnen.
- Logistik/Lieferungen: frühzeitig planen und Deadlines früher bestätigen.
- Bei einer Zusammenarbeit: Eine kurze Glückwunsch-Nachricht ist eine kleine Geste mit großer Wirkung.
8) Ramadan 2026 (indikativ): warum „unter Vorbehalt“ immer stimmt
Viele Kalender nennen einen erwarteten Start- und Eid-Termin auf Basis astronomischer Berechnungen. In der Praxis kann die offizielle Festlegung abweichen, weil die tatsächliche (lokale) Sichtung maßgeblich sein kann. Sieh Daten daher als indikativ und bestätige immer den Termin, den dein Partner/deine Organisation nutzt.
9) Brücken bauen zwischen Europa und Marokko: so nutzt du dieses Wissen
- Früh kommunizieren: „Welche Tage haltet ihr für Ramadan und Eid ein?“
- Kluge Planung: wichtige Entscheidungen am Morgen, und kritische Deadlines nicht auf (voraussichtliche) Eid-Tage legen.
- Verständnis zeigen: Respekt für den Rhythmus = bessere Zusammenarbeit.
- Klarheit schaffen: Vereinbarungen schriftlich bestätigen, mit Spielraum für einen Tag Unterschied rund um Beginn/Ende.